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PDF-Tags verstehen: Alle Strukturelemente im Überblick

PDF-Tags sind das unsichtbare Skelett barrierefreier Dokumente – und gleichzeitig eines der am wenigsten verstandenen Themen. Diese Übersicht erklärt, was Tags sind, welche Begriffe du dafür brauchst und welche Tags wann eingesetzt werden. Plus: Was sich mit PDF 2.0 ändert.

  • 17 Minuten Lesezeit
  • Stand: Mai 2026

Was sind PDF-Tags?

PDF-Tags sind unsichtbare Auszeichnungen, die einem PDF eine semantische Struktur geben. Auf dem Bildschirm sieht man sie nicht – aber Screenreader, Vorlesesoftware und andere assistive Technologien brauchen sie, um den Inhalt zu verstehen.

Wer schon einmal mit HTML zu tun hatte, kennt das Prinzip: Im HTML sagt <h1> dem Browser, dass etwas eine Überschrift ist. In einem PDF sagt <H1> der Vorlesesoftware genau dasselbe. Beide arbeiten mit semantischen Tags. Nur der Container drumherum ist anders.

Ohne Tags ist ein PDF aus Sicht eines Screenreaders nur eine ungeordnete Ansammlung visueller Elemente. Die Software weiß nicht, was eine Überschrift ist, was zur Tabelle gehört, was ein Bild ist und in welcher Reihenfolge gelesen werden soll. Erst Tags machen ein PDF zugänglich.

Grundbegriffe, die du kennen solltest

Bevor wir in die einzelnen Tags einsteigen, lohnt es sich, drei Begriffspaare zu klären. Sie wiederholen sich später bei fast jedem Tag – und ohne dieses Vokabular bleibt vieles unverständlich.

Block-Element vs. Inline-Element

Der wichtigste Unterschied. Ein Block-Element ist ein eigenständiger Inhaltsblock, der eine ganze Zeile (oder mehrere) einnimmt. Ein Inline-Element sitzt mitten in einem Textfluss und hebt einzelne Wörter oder Wortgruppen hervor.

Block-Element

Eigenständiger Inhaltsblock

Steht für sich allein. Vorher und nachher gibt es einen Zeilenumbruch. Beispiele: Überschriften, Absätze, Listen, Tabellen.

Beispiel <H1>Überschrift</H1>
<P>Ein Absatz Text.</P>
Inline-Element

Element im Textfluss

Sitzt mitten im Text, ohne Zeilenumbruch. Beispiele: Links, Hervorhebungen, Verweise. Wird immer innerhalb eines Block-Elements verwendet.

Beispiel <P>Ein Text mit <Link>Verlinkung</Link> drin.</P>

Container vs. Content

Manche Tags enthalten nur andere Tags – sie sind Container für andere Elemente. Andere Tags enthalten direkt Inhalt wie Text oder Bilder.

Beispiel: Das <Document> -Tag ist ein reiner Container. Es umfasst das gesamte Dokument, enthält selbst aber keinen Text. Das <P> -Tag dagegen enthält direkt den Absatztext.

Strukturelement vs. Auszeichnungselement

Strukturelemente geben dem Dokument seine Gliederung (Überschriften, Absätze, Abschnitte). Auszeichnungselemente heben einzelne Stellen besonders hervor (Links, Zitate, Hervorhebungen). Strukturelemente sind meist Block, Auszeichnungselemente meist Inline.

Alle wichtigen Tags im Überblick

Die folgende Übersicht zeigt die Standard-Tags der PDF-Spezifikation (ISO 32000-1, PDF 1.7), gruppiert nach Funktion. Die Gruppen sind so angelegt, dass du beim Erstellen oder Prüfen eines PDFs gezielt nachschauen kannst.

Gruppe 01 Dokumentstruktur

Diese Tags bilden das grobe Gerüst eines PDFs. Sie sind Container und enthalten selbst keinen direkten Text – sie umschließen andere Tags.

<Document> Container

Wurzelelement des Dokuments

Jedes getaggte PDF beginnt mit einem <Document> -Tag. Es umfasst den gesamten Inhalt und ist das einzige Tag auf oberster Ebene.

Verwendung: immer als äußerstes Element. In PDF 2.0 kann es auch durch <DocumentFragment> ergänzt werden.

<Part> Container

Hauptteil eines Dokuments

Gliedert ein Dokument in größere, eigenständige Teile – etwa die Vorbemerkungen, den Hauptteil und den Anhang eines Buchs.

Verwendung: bei langen Dokumenten mit klarer Hauptgliederung. In Geschäftsberichten, Büchern, Studien.

<Sect> Container

Abschnitt mit Überschrift

Ein logisch zusammengehöriger Abschnitt, üblicherweise mit einer Überschrift am Anfang. Vergleichbar mit <section> in HTML.

Verwendung: für Kapitel, Unterkapitel, thematische Abschnitte. Kann andere <Sect> verschachtelt enthalten.

<Div> Container

Allgemeine Gruppierung

Ein generischer Container ohne eigene semantische Bedeutung. Nützlich, wenn keiner der spezifischeren Container passt.

Verwendung: als Ausweichlösung, wenn <Sect> oder <Part> zu spezifisch wären. Sparsam einsetzen.

<Art> Container

Artikel

Kennzeichnet einen eigenständigen, in sich geschlossenen Artikel – etwa in einer Zeitschrift oder Zeitung.

Verwendung: selten gebraucht außerhalb von Magazin-Layouts. Bei einem normalen Bericht reicht <Sect> .

Gruppe 02 Inhaltsblöcke

Die wichtigsten Block-Elemente. Sie enthalten direkt den Text und machen den Großteil eines getaggten PDFs aus.

<P> Block

Absatz

Der häufigste Tag in einem PDF. Umfasst einen Absatz Fließtext. Enthält direkten Text und kann Inline-Tags wie <Link> oder <Span> einschließen.

Verwendung: für jeden Absatz Fließtext. Nicht für Überschriften, Listen oder Tabellenzellen verwenden.

<H1> – <H6> Block

Überschriften (sechs Ebenen)

Überschriften in absteigender Wichtigkeit: <H1> ist die Hauptüberschrift, <H6> die unterste Ebene. Wie in HTML.

Verwendung: keine Ebene überspringen (kein <H1> direkt zu <H3> ). Pro Dokument normalerweise ein einziges <H1> .

<H> Block

Überschrift ohne Stufe

Eine generische Überschrift ohne feste Ebene. Die Hierarchie ergibt sich aus der Verschachtelung der umgebenden <Sect> -Elemente.

Verwendung: in der Praxis selten – die meisten Werkzeuge produzieren <H1> bis <H6> .

<BlockQuote> Block

Längeres Zitat als eigener Block

Ein längeres Zitat, das eine eigene Absatz-Position einnimmt – oft eingerückt oder grafisch hervorgehoben.

Verwendung: für Zitate von mindestens einem Absatz Länge. Kürzere Zitate inline mit <Quote> .

<Caption> Block

Beschriftung

Beschriftet ein anderes Element – meist eine Tabelle oder Abbildung. Steht direkt davor oder dahinter.

Verwendung: für Tabellenüberschriften („Tabelle 1: ...") und Bildunterschriften.

<Index> Container

Stichwortverzeichnis

Markiert ein Stichwortverzeichnis oder Inhaltsverzeichnis als solches. Hilft Screenreadern bei der Navigation.

Verwendung: bei längeren Dokumenten mit Index oder Inhaltsverzeichnis am Ende.

<TOC> <TOCI> Container

Inhaltsverzeichnis

<TOC> umschließt das gesamte Inhaltsverzeichnis, <TOCI> jeden einzelnen Eintrag.

Verwendung: bei strukturierten Inhaltsverzeichnissen. Wichtig für die Sprung-Navigation.

Gruppe 03 Listen

Listen brauchen eine festgelegte Hierarchie aus vier Tag-Typen. Wer nur eines vergisst (typischerweise <LBody> ), produziert unsaubere Listen.

<L> Block

Liste

Der äußere Container einer Liste – egal ob nummeriert oder mit Aufzählungspunkten. Enthält ausschließlich <LI> -Elemente.

Verwendung: immer als oberster Listen-Container. Niemals Text direkt in <L> .

<LI> Block

Listenelement

Ein einzelner Listeneintrag. Enthält wiederum einen <Lbl> (das Bullet oder die Nummer) und einen <LBody> (den Text).

Verwendung: immer innerhalb von <L> .

<Lbl> Container

Label

Der Aufzählungspunkt oder die Nummer eines Listenelements. Enthält das Bullet (•), die Zahl (1., 2., 3.) oder einen Buchstaben (a, b, c).

Verwendung: innerhalb von <LI> als erstes Kind-Element. Optional – manche Listen haben keine sichtbaren Bullets.

<LBody> Container

Listenelement-Inhalt

Der eigentliche Text-Inhalt eines Listenelements. Enthält den Text oder weitere Block-Elemente wie verschachtelte Listen.

Verwendung: immer innerhalb von <LI> , nach <Lbl> .

Gruppe 04 Tabellen

Tabellen-Tags sind eine der häufigsten Fehlerquellen in PDFs. Besonders wichtig: <TH> für Spalten- und Zeilenköpfe, damit Screenreader die Zellen zuordnen können.

<Table> Block

Tabelle

Der äußere Container einer Tabelle. Enthält direkt <TR> -Zeilen oder optionale Strukturgruppen wie <THead> , <TBody> , <TFoot> .

Verwendung: nur für tatsächliche Datentabellen – nicht für Layout-Tabellen (die sind eine Barrierefreiheits-Sünde).

<TR> Container

Tabellenzeile

Eine einzelne Tabellenzeile, die Zellen ( <TH> oder <TD> ) enthält.

Verwendung: immer als direktes Kind-Element von <Table> , <THead> , <TBody> oder <TFoot> .

<TH> Block

Kopfzelle

Eine Tabellenzelle, die als Spalten- oder Zeilenkopf dient. Über das Attribut Scope wird festgelegt, ob es sich um Spalte oder Zeile handelt.

Verwendung: für jede Kopfzelle. Ohne <TH> kann ein Screenreader nicht ansagen „Spalte Umsatz, Zeile 2024: 1,2 Millionen Euro". Ohne TH ist die Zelle nur „1,2 Millionen Euro".

<TD> Block

Datenzelle

Eine normale Tabellenzelle mit Inhaltsdaten – also alles, was keine Kopfzelle ist.

Verwendung: für alle Datenzellen einer Tabelle.

<THead> <TBody> <TFoot> Container

Tabellen-Bereiche

Optionale Gruppierung der Tabellenzeilen in Kopf-, Körper- und Fußbereich. <THead> enthält die Spaltenkopf-Zeile(n), <TBody> die Datenzeilen, <TFoot> eine Summenzeile oder Fußnoten.

Verwendung: optional – aber empfohlen, da Screenreader so klarer navigieren können.

Gruppe 05 Inline-Elemente

Inline-Elemente sitzen mitten im Textfluss eines Block-Elements und heben einzelne Stellen hervor. Sie ersetzen keinen Block – sie ergänzen ihn semantisch.

<Span> Inline

Generischer Inline-Container

Ein generisches Inline-Element ohne eigene Bedeutung. Wird hauptsächlich verwendet, um Inline-Attribute zu setzen – etwa eine andere Sprache ( Lang="en" ) für ein einzelnes Wort.

Verwendung: für fremdsprachige Wörter, Marken, Fachbegriffe mit anderer Aussprache.

<Link> Inline

Hyperlink

Ein klickbarer Link zu einer anderen Stelle im Dokument, einer externen URL oder einer Datei.

Verwendung: für jeden Link. Wichtig: der Link-Text soll selbst aussagekräftig sein („zur Anmeldung"), nicht „klicken Sie hier".

<Quote> Inline

Kurzes Inline-Zitat

Ein kurzes Zitat innerhalb eines Absatzes. Für längere Zitate wird <BlockQuote> verwendet.

Verwendung: für direkt zitierte Wörter oder Sätze innerhalb des Fließtexts.

<Note> Inline

Fuß- oder Endnote

Eine Fuß- oder Endnote. Wird als Inline-Element im Text platziert, auch wenn die eigentliche Note am Seitenende oder Ende des Dokuments erscheint.

Verwendung: für jede Fußnote oder Endnote. In PDF 2.0 ergänzt durch das spezifischere <FENote> .

<Reference> Inline

Verweis auf andere Inhalte

Verweis auf eine andere Stelle im Dokument (z.B. „siehe Kapitel 3") oder auf externe Inhalte.

Verwendung: für interne Querverweise.

<Code> Inline

Programmcode

Inline-Programmcode oder technische Bezeichner. Wird typischerweise in Monospace dargestellt.

Verwendung: für Code-Schnipsel im Fließtext, technische Befehle, Dateinamen.

Gruppe 06 Sonderfälle

Diese Tags sind für besondere Inhalte gedacht – Bilder, Formeln, Formulare und Anmerkungen.

<Figure> Block

Bild oder Grafik

Eine grafische Darstellung – Foto, Illustration, Diagramm, Logo. Braucht immer einen Alternativtext über das Alt -Attribut.

Verwendung: für jede inhaltlich relevante Grafik. Dekorative Grafiken werden als <Artifact> markiert (siehe nächste Gruppe).

<Formula> Block

Mathematische Formel

Eine mathematische Formel. Da Formeln visuell oft komplex sind, ist ein Alt-Text mit der formulierten Form wichtig.

Verwendung: für jede Formel mit Alt -Attribut, das die Formel in Worten beschreibt. Beispiel: „a hoch zwei plus b hoch zwei gleich c hoch zwei".

<Form> Container

Formular-Feld

Markiert ein interaktives Formularfeld im PDF – ein Eingabefeld, eine Checkbox, ein Dropdown, einen Button.

Verwendung: für jedes interaktive Element in PDF-Formularen. Braucht eine sinnvolle Beschriftung (Tooltip im Acrobat: Field Name).

<Annot> Container

Annotation

Eine Anmerkung im PDF – etwa ein Kommentar, eine Hervorhebung oder eine eingebettete Notiz.

Verwendung: für inhaltsrelevante Anmerkungen. Rein dekorative oder layoutbezogene Anmerkungen werden als <Artifact> markiert.

Gruppe 07 Nicht-strukturelle Tags

Ein einziges, aber sehr wichtiges Tag. Es markiert alles, was nicht zum eigentlichen Inhalt gehört.

<Artifact> Container

Artefakt – wird vom Screenreader übersprungen

Markiert Elemente, die zur visuellen Gestaltung gehören, aber keinen inhaltlichen Wert haben: Seitenzahlen, Kopf- und Fußzeilen, dekorative Grafiken, Trennlinien, Wasserzeichen.

Verwendung: für alle visuellen Elemente, die ein Screenreader nicht vorlesen soll. Ohne <Artifact> würde z.B. die Seitenzahl bei jedem Seitenwechsel vorgelesen.

Häufige Fehler bei der Tag-Vergabe

In Audits begegnen einem die immer gleichen Probleme. Drei davon sind besonders häufig:

Fehler 1: Überschriften-Hierarchie überspringen

Falsch
<H1> direkt gefolgt von <H3> – das <H2> wurde übersprungen.
  • < H1 > Titel
  • < H3 > Unterabschnitt
Richtig
Hierarchie konsistent eingehalten – jede Ebene wird benutzt.
  • < H1 > Titel
  • < H2 > Kapitel
  • < H3 > Unterabschnitt

Fehler 2: <P> für alles verwenden

Falsch
Überschriften und Listenpunkte werden als <P> ausgezeichnet – Struktur geht verloren.
  • < P > Überschrift
  • < P > • Erster Punkt
  • < P > • Zweiter Punkt
Richtig
Jedes Element bekommt den semantisch passenden Tag.
  • < H2 > Überschrift
  • < L >
  • < LI >
  • < Lbl >
  • < LBody > Punkt 1

Fehler 3: Tabellen ohne <TH>

Falsch
Alle Tabellenzellen als <TD> ausgezeichnet, keine Kopfzellen – Screenreader können Zellen nicht zuordnen.
  • < TR >
  • < TD > Quartal
  • < TD > Umsatz
Richtig
Kopfzellen explizit als <TH> mit Scope-Attribut.
  • < TR >
  • < TH Scope="col" > Quartal
  • < TH Scope="col" > Umsatz

Was sich mit PDF 2.0 ändert

Die bisher beschriebenen Tags sind alle Teil von PDF 1.7 (ISO 32000-1) und werden in PDF 2.0 (ISO 32000-2) weiterhin unterstützt. PDF 2.0 ergänzt diese Liste aber um einige neue Strukturelemente, die semantisch präziser sind.

Neu in PDF 2.0 (Auswahl)

Zusätzliche Tags für mehr semantische Tiefe

PDF 2.0 führt mehrere neue Strukturelemente ein. Sie ersetzen nicht die bisherigen Tags, sondern erweitern den Wortschatz für Fälle, in denen PDF 1.7 nur ungenaue Annäherungen erlaubte.

  • <Title> Eigenständiger Tag für den Haupttitel eines Dokuments – klarer als das bisherige <H1> .
  • <Aside> Für Seitenleisten, Callouts, ergänzende Inhalte – entspricht <aside> in HTML5.
  • <Sub> Inline-Element für Unterthemen oder zusammengehörige Sub-Elemente.
  • <Em> Echte semantische Hervorhebung – nicht nur visuell kursiv.
  • <Strong> Echte starke Hervorhebung – nicht nur visuell fett.
  • <FENote> Spezifischer Tag für Fuß- und Endnoten – präziser als das alte <Note> .
  • <Hn> Überschriften jenseits von <H6> – etwa <H7> bei sehr verschachtelten Dokumenten.
  • <DocumentFragment> Für Dokumentteile, die nicht für sich allein stehen – etwa bei zusammengesetzten Dokumenten.
  • <Artifact> (erweitert) Neue Sub-Typen wie PageNum , LineNum , Bates für präzisere Auszeichnung.

Wichtig: PDF 2.0-Tags funktionieren auch in PDF 1.7-Dateien nicht – Software, die nur PDF 1.7 versteht, ignoriert sie. Eine Umstellung auf PDF 2.0 ist deshalb noch nicht zwingend, sondern eine Frage der Werkzeuge und der Ziel-Software, die das PDF lesen wird.