Bedienung & Interaktion · Bewegte Inhalte

Pausieren, stoppen, ausblenden: bewegte Inhalte steuerbar machen (WCAG 2.2.2)

Das Karussell schiebt sich von selbst weiter, der Newsticker läuft endlos durch, der Live-Feed lädt im Sekundentakt nach: Was Aufmerksamkeit wecken soll, wird für viele Menschen zur Hürde. Das Erfolgskriterium 2.2.2 „Pausieren, Stoppen, Ausblenden"(Stufe A) verlangt deshalb, dass Nutzer:innen Bewegung und automatische Aktualisierung selbst anhalten können. Diese Seite erklärt die zwei Regeln, die Drei-Sekunden-Logik der Bedingungen und zeigt, wie du Slider, Ticker und Auto-Updates konform baust.

  • 9 Minuten Lesezeit
  • Stand: Juni 2026

Worum es geht: vier Arten von Bewegung

Bewegung auf einer Seite kann eine echte Barriere sein. Wer Texte langsam liest, verliert den Anschluss, wenn ein Ticker weiterzieht. Wer eine Sehbehinderung mit Vergrößerung nutzt, verliert die Stelle, sobald sich etwas verschiebt. Und für viele Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen oder kognitiven Einschränkungen macht dauerhafte Bewegung das Lesen des restlichen Inhalts schlicht unmöglich. Das W3C nennt als Kern des Kriteriums genau dieses Ziel: Niemand soll von Inhalten abgelenkt werden, die sich bewegen oder von selbst aktualisieren.

Vier Arten von Veränderung sind gemeint, und es lohnt sich, sie zu unterscheiden, weil sie unterschiedlich behandelt werden:

Vier Arten von Bewegung, die WCAG 2.2.2 betrifft Wissens-Karte mit vier Feldern. Erstens bewegt: Inhalte ändern sichtbar ihre Position, zum Beispiel ein Auto-Karussell oder eine Animation. Zweitens blinkend: Inhalte wechseln zwischen zwei Zuständen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, zum Beispiel ein blinkender Hinweis. Drittens scrollend: Text oder Bilder laufen durch, zum Beispiel ein Newsticker oder eine Laufschrift. Viertens automatisch aktualisierend: Inhalte werden in festen Abständen ausgetauscht, zum Beispiel ein Live-Feed, ein Aktienkurs oder Wetterdaten. Für alle vier verlangt WCAG 2.2.2 eine Möglichkeit, sie zu pausieren, zu stoppen oder auszublenden. Vier Arten von Bewegung Bewegt Inhalte ändern ihre Position, z. B. Auto-Karussell, Animation Blinkend Wechsel zwischen zwei Zuständen, z. B. blinkender Hinweis Scrollend Text läuft durch, z. B. Newsticker, Laufschrift Auto-aktualisierend Austausch in festen Abständen, z. B. Live-Feed, Aktienkurs Alle vier brauchen einen Weg, sie zu pausieren, zu stoppen oder auszublenden
Wissens-Karte: Bewegt, blinkend, scrollend und automatisch aktualisierend sind die vier Veränderungs-Arten, die WCAG 2.2.2 regelt.

Eine wichtige Abgrenzung gleich vorweg: Hier geht es um visuelle Bewegung. Tonspuren, die von selbst starten, fallen unter ein eigenes Kriterium (1.4.2 „Audio-Steuerung"). Und Inhalte, die so schnell und hell blitzen, dass sie Anfälle auslösen können, sind ein Sicherheits- und kein Ablenkungsthema; dafür gilt 2.3.1, beschrieben im Artikel Blitzende Inhalte und Anfälle.

Zwei Regeln: bewegt und automatisch aktualisiert

Das Kriterium besteht aus zwei Teilen, die fast gleich lauten, sich aber in zwei Punkten unterscheiden. Der Grund: Bewegung darf kurz sein und dann aufhören, eine automatische Aktualisierung dagegen ist sinnlos, wenn sie nach fünf Sekunden stoppt.

Wissens-Karte: Die zwei Teile von WCAG 2.2.2 im Vergleich
Aspekt Bewegt, blinkend, scrollend Automatisch aktualisierend
Fünf-Sekunden-Grenze Ja: Ein Ausweg ist nur nötig, wenn die Bewegung länger als fünf Sekunden dauert. Nein: Es gibt keine Schonfrist, weil kurzes Auto-Aktualisieren keinen Sinn ergibt.
Mögliche Auswege Pausieren, stoppen oder ausblenden. Pausieren, stoppen, ausblenden oder zusätzlich die Aktualisierungs-Häufigkeit steuern.
Gemeinsame Voraussetzung Startet automatisch und läuft parallel zu anderem Inhalt. Startet automatisch und läuft parallel zu anderem Inhalt.
Ausnahme Die Bewegung ist für die Aktivität essenziell. Die Aktualisierung ist für die Aktivität essenziell.

„Essenziell" ist dabei ein enger Begriff: Etwas ist nur dann essenziell, wenn es sich nicht entfernen ließe, ohne Information oder Funktion grundlegend zu verändern, und wenn es keinen anderen konformen Weg gibt. Ein Auto-Karussell auf der Startseite ist fast nie essenziell, eine Animation, die einen Vorgang Schritt für Schritt erklärt, kann es sein.

Wann das Kriterium greift: drei Bedingungen

Nicht jede Bewegung braucht einen Schalter. Für bewegte, blinkende oder scrollende Inhalte müssen alle drei Bedingungen gleichzeitig zutreffen, damit ein Ausweg Pflicht wird. Fällt eine weg, ist das Kriterium bereits erfüllt.

Die drei Bedingungen, die zusammen einen Ausweg verlangen
Bedingung Was sie bedeutet
1. Startet automatisch Die Bewegung beginnt ohne bewusste Aktivierung, also nicht durch einen Klick auf einen „Abspielen"-Knopf. Auch ein Start beim Überfahren mit der Maus oder beim Hineinscrollen zählt als „automatisch".
2. Dauert länger als fünf Sekunden Fünf Sekunden gelten als lang genug, um Aufmerksamkeit zu wecken, aber kurz genug, um sie notfalls auszusitzen. Wer kürzer als fünf Sekunden blinkt und dann stoppt, ist fein.
3. Läuft parallel zu anderem Inhalt Die Bewegung steht neben anderen Inhalten, die man gleichzeitig nutzen will. Eine Ladeanimation, die als einziger Inhalt die ganze Seite füllt, ist davon ausgenommen.

Pausieren, stoppen oder ausblenden: die drei Auswege

Sind alle Bedingungen erfüllt, brauchst du einen Mechanismus. „Mechanismus" meint dabei einen echten Bedien-Weg, der die Seite nicht blockiert. Das W3C ist hier deutlich: Eine Animation, die nur anhält, solange sie den Tastatur-Fokus hat, und sofort weiterläuft, wenn man weitergeht, gilt nicht als Pause-Mechanismus, weil sie die Seite unbenutzbar macht. Die drei zulässigen Wege unterscheiden sich darin, was mit dem Inhalt passiert:

Wissens-Karte: Die drei Auswege und wann welcher passt
Ausweg Was passiert Passt gut für
Pausieren Bewegung hält an und läuft auf Wunsch dort weiter, wo sie war. Inhalte, die man in Ruhe lesen will, etwa ein Karussell mit Text.
Stoppen Bewegung endet; beim Fortsetzen springt sie zum aktuellen Stand. Echtzeit-Daten wie einen Aktien- oder Verkehrsticker, wo alte Werte irreführen würden.
Ausblenden Der bewegte Inhalt verschwindet ganz, der Rest der Seite bleibt nutzbar. Dekoratives oder zusätzliches, das niemand zwingend braucht.

In der Praxis genügt fast immer eine sichtbare, mit Tastatur erreichbare Schaltfläche. Die W3C-Technik G186 beschreibt genau das: ein Bedienelement auf der Seite, das die Bewegung stoppt. Für durchlaufenden Text per Skript gibt es zusätzlich SCR33. Wichtig ist, dass der Schalter selbst gut auffindbar und beschriftet ist.

karussell.html · Ein Pause-Schalter für ein Auto-Karussell (G186)

 <!-- Der Schalter steht VOR oder direkt im Karussell und ist 
 mit der Tastatur erreichbar. aria-pressed meldet den Zustand. --> 
<button type="button" class="karussell-pause" aria-pressed="false">
  Automatischen Wechsel pausieren
</button>
<script>
const knopf = document.querySelector('.karussell-pause');
let laeuft = true;
let timer = setInterval(naechsteFolie, 5000);
knopf.addEventListener('click', () => {
  laeuft = !laeuft;
  knopf.setAttribute('aria-pressed', String(!laeuft));
  knopf.textContent = laeuft
    ? 'Automatischen Wechsel pausieren'
    : 'Automatischen Wechsel fortsetzen'; // Pausieren heißt: Timer wirklich stoppen, nicht nur verstecken. 
if (laeuft) timer = setInterval(naechsteFolie, 5000);
  else clearInterval(timer);
});
</script>

Karussells, Ticker und prefers-reduced-motion

Ein sichtbarer Schalter ist Pflicht, ein zweiter Hebel macht ihn besser: Viele Betriebssysteme haben eine Einstellung „Bewegung reduzieren". Browser geben sie über die CSS-Abfrage prefers-reduced-motion weiter. Wer sie respektiert, schaltet automatisierte Bewegung von vornherein ab, für genau die Menschen, die sie als störend oder bei vestibulären Beschwerden sogar als unangenehm empfinden.

karussell.css · Auto-Bewegung bei „Bewegung reduzieren" abschalten

 /* Standard: das Karussell darf sich animiert bewegen. */.karussell { scroll-behavior: smooth; } /* Wer „Bewegung reduzieren" gewählt hat, bekommt keine 
 automatische Animation mehr. */ 
 @media 
(prefers-reduced-motion: reduce) {
  .karussell { scroll-behavior: auto; }
  .karussell__folie { animation: none; transition: none; }
}

Abgrenzung zu 2.2.1, 2.3.1 und 1.4.2

Rund um Bewegung und Zeit liegen mehrere Kriterien dicht beieinander. Diese Übersicht hilft, das richtige zu greifen, statt alles in einen Topf zu werfen:

Wissens-Karte: Vier benachbarte Kriterien sauber getrennt
Kriterium Worum es geht
2.2.2 Pausieren, Stoppen, Ausblenden Bewegte oder auto-aktualisierende Inhalte ablenkungsfrei steuerbar machen. Genau dieser Artikel.
2.2.1 Zeiteinteilung anpassbar Vom Inhalt gesetzte Zeitlimits abschalten, anpassen oder verlängern. Siehe Zeitlimits anpassbar machen.
2.3.1 Dreimaliges Blitzen Schutz vor Anfällen durch zu schnelles, helles Blitzen. Sicherheitsthema, siehe Blitzende Inhalte.
1.4.2 Audio-Steuerung Automatisch startenden Ton pausieren oder leiser stellen. Betrifft Audio, nicht visuelle Bewegung.

Die Faustregel: Lenkt es ab, ist es 2.2.2. Kann es einen Anfall auslösen, ist es 2.3.1. Setzt es eine Frist, ist es 2.2.1. Ist es Ton, ist es 1.4.2. Inhalte können mehrere Kriterien gleichzeitig berühren; dann gelten sie alle.

Zwei Mythen zu bewegten Inhalten

Mythos 1

„Unser Karussell stoppt, wenn man mit der Maus drüberfährt, das reicht."

Nein. Ein Anhalten nur bei Maus-Hover oder Tastatur-Fokus erfüllt das Kriterium ausdrücklich nicht, weil die Bewegung sofort weiterläuft, sobald man weitergeht, und die Seite damit unbenutzbar bleibt. Gefragt ist ein echter Schalter, der die Bewegung anhält und angehalten lässt, bis Nutzer:innen sie selbst wieder starten.

Mythos 2

„Dann sind Karussells und Ticker grundsätzlich verboten."

Doch nicht. Verlangt wird Steuerbarkeit, kein Verzicht. Ein Slider mit gut sichtbarer Pause-Taste, ein Ticker, der sich anhalten lässt, oder ein Live-Feed mit „Aktualisierung anhalten" sind völlig konform. Und wer eine Bewegung von vornherein kürzer als fünf Sekunden hält und dann stoppt, braucht gar keinen Schalter.

Checkliste für bewegte Inhalte

Bewegung zieht den Blick an, das ist ihr Sinn und zugleich ihr Problem. Ein gut platzierter Pause-Schalter kostet wenig und gibt die Kontrolle dorthin zurück, wo sie hingehört: zu den Menschen, die die Seite lesen wollen, in ihrem eigenen Tempo.